Das Herz schlug weiter

Warum ein Museum auch ohne Besucher viel Arbeit bedeutet

Kettenhemden fangen an zu klirren, Rüstungen erwachen zum Leben - wer kennt sie nicht die Geschichten über das, was nachts in Museen passiert, wenn die Besucher daheim sind. Ob das während der Schließung im Museum Vechta den ganzen Tag so war?

Es war Freitag, der 13., daran erinnert sich Museumsleiter Kai Jansen ganz genau, als er im März sein Haus schließen musste. Ohne zu wissen, wann er wieder öffnen darf. Fiel das Museum im Zeughaus mit seiner Burganlage Castrum Vechtense daraufhin in Dornröschenschlaf? Weit gefehlt!

„Das Personal, das direkt mit dem Besucherbetrieb zu tun hat, mussten wir tatsächlich nach Hause schicken. Das war bitter", erinnert er sich. Für alle anderen ging es nach einer zweiwöchigen Pause fast „normal" weiter, denn: Sammlungsarbeit kann auch mit Abstand ausgeführt werden. „Die Sammlung ist das Herz eines Museums. 90 bis 99 Prozent der Objekte sehen die Besucher in aktuellen Ausstellungen gar nicht. Sie befinden sich im Depot", erklärt Jansen. Viele Stücke müssen erstmal „aufgenommen", also untersucht und historisch eingeordnet werden. Dann ist das Bewahren, also die Pflege der Objekte, eine wichtige museale Aufgabe.

Wer dabei nur an Pinsel und Staublappen denkt, liegt weit daneben. Eine neue Klimavitrine hat das Team um Jansen zum Beispiel hergerichtet. „Momentan läuft der Probebetrieb. Wir müssen sicherstellen, dass die Luftfeuchtigkeit dauerhaft stimmt." Passen die Messwerte, können Besucher die Vitrine schon in den nächsten Wochen in der Ausstellung entdecken.

„Es ist wunderbar, das komplette Team wieder im Haus zu haben und gemeinsam unsere Besucher auf Zeitreise zu schicken."
Kai Jansen

Publikum ist bereits seit dem 6. Mai wieder im Museum Vechta. „Mir war es wichtig, das Kulturangebot Museum frühestmöglich wieder zu öffnen", betont Kai Jansen. „Für unsere Gäste – aber auch als Zeichen, dass unsere Arbeit hinter den Kulissen weitergeht." Das Museum hat sich intensiv auf die Umsetzung der neuen Hygiene- und Abstandsregeln vorbereitet. Gruppenangebote, Führungen und Museumscafeteria sind noch nicht möglich, trotzdem ist Jansen erleichtert: „Es ist wunderbar, das komplette Team wieder im Haus zu haben und gemeinsam unsere Besucher auf Zeitreise zu schicken."

 

Nach einigen Veranstaltungsabsagen freut das Museumsteam sich jetzt auf die Eröffnung der neuen Sonderausstellung, die im April verschoben wurde. Am 26. Juni eröffnet „Ein Stück daheim. Spätaussiedler im Oldenburger Münsterland." Wie lebten diese neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger in ihrer alten Heimat, und wie haben sie sich in unserer Region eingelebt? Wie wurde die Kultur der Nachkommen von deutschen Auswanderern in der Sowjetunion geprägt? Die Sonderausstellung geht diesen Fragen anhand von persönlichen Mitbringseln der Russlanddeutschen auf den Grund.

Was mit anderen Veranstaltungen passiert, die für 2020 geplant waren, entscheidet sich in den nächsten Wochen. Soviel steht fest: Es ist wieder Leben in Zeughaus und Burganlage.